Poker übt eine für ein Kartenspiel geradezu schon übernatürliche Faszination aus. Dies liegt nicht zuletzt daran, dass es bei Poker weniger auf das schiere Glück ankommt als bei vielen anderen Kartenspielern. Psychologie ist entscheidend, und wer die Psychologie des Pokerspiels meistert, kann aus seinen Gegenspielern lesen wie aus einem Buch und kann sie falls nötig durch gekonnte Bluffs in die Knie zwingen, wenn das eigene Blatt mal nicht allzu viel hergibt.
Die psychologische Komponente beim Poker lässt sich also grob in zwei Bereiche unterteilen: Das ziehen von wertvollen Schlussfolgerungen aus der gründlichen Beobachtung der Mitspieler einerseits und das Täuschen der anderen Spieler am Pokertisch über die Stärke der eigenen Pokerhand und die eigene Strategie andererseits.
Beobachtet man die anderen Pokerspieler genau und hat man ein Gespür dafür entwickelt, aus diesen Beobachtungen die richtigen Schlüsse zu ziehen, dann kann man in vielen Fällen (abgesehen von Gegenspielern mit Pokerface) erahnen, wie stark ihre Hand ist und welche Strategie sie verfolgen. Im Pokerraum einer Spielbank oder sonstwo in der realen Welt fällt dies leichter als in einem Onlinepokerraum, da man zusätzlich zu den Spielzügen – welche Entscheidungen trifft der Gegenspieler und wie viel Zeit lässt er sich dafür – auch den Gesichtsausdruck und die Körperhaltung der Mitspieler mit in Betracht ziehen kann. Aber auch wenn man Poker online spielt, lohnt sich die Aufmerksame Verfolgung der Spielzüge der anderen Pokerspieler. Nicht selten bietet die Pokersoftware eine Funktion an, mit der man sich Notizen zu Verhaltensmustern von Mitspielern machen kann. Solche Notizen erleichtern es dann bei späteren Begegnungen (oder schon bei den folgenden Spielen), das Verhalten des jeweiligen Gegenspielers in einer bestimmten Situation vorauszusagen: Wird er voraussichtlich erhöhen, wenn ich eröffne? Ist es wahrscheinlich, dass er einen Bluff riskiert? Solche Fragen mit einiger Treffsicherheit beantworten zu können, kann zwischen Sieg und Niederlage entscheiden.
Auch für das bewusste Täuschen der anderen Pokerspieler gilt, dass dies in der realen Welt leichter fällt als in einem Onlinepokerraum. Beliebt ist beispielsweise, durch die Bestellung eines Getränks zum richtigen Zeitpunkt zu signalisieren, dass man noch lange an diesem Pokertisch zu sitzen gedenkt. Auch durch die dosierte Preisgabe der eigenen Emotionen – oder durch das Vortäuschen bestimmter Emotionen – lässt sich viel erreichen, denn man kann unbedarfte Mitspieler, die noch dabei sind, Poker zu lernen, leicht in die Irre führen und je nach Wunsch entweder verunsichern oder in Sicherheit wiegen. Um dazu wenigstens eingeschränkt auch dann die Möglichkeit zu haben, wenn man Poker online spielt, ist praktisch jeder Poker Download mit einem Chat ausgestattet, mit dem man seinen Gegenspielern Mitteilungen schicken kann.
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